Arbeit im Wandel

Bei unserem World Café haben wir versucht einen Einstieg in das Thema Arbeit im Wandel zu bekommen. Dabei haben wir uns die Fragen gestellt,

 

  1.  Wie hat sich Arbeit in den letzten Jahren verändert?

 

  2.  Wie werden sich Berufe in Zukunft verändern?

 

  3. Welche Rolle spielte die Digitalisierung bzw. welche Rolle wird sie  noch spielen?

 

Um diese Fragen zu beantworten haben wir drei Referent*innen eingeladen: Kerstin Löwenstein (Forstwirtin), Ünsal Baser (Betriebsrat HKM) und Jan Willeke (Bauingenieur). Die Referent*innen haben uns ihre Berufe vorgestellt und sich den Fragen gestellt. Dabei entstanden spannende Diskussionen und wir konnten diverse Themen identifizieren, mit denen man sich im Zuge der Digitalisierung beschäftigen kann und vielleicht auch muss.

 

Wir brauchen nicht in Frage zu stellen, dass die Digitalisierung alle Berufe und Bereiche beeinflusst und eine zunehmend tragende Rolle spielt. Dies geschieht jedoch in ganz unterschiedlicher Form.

 

 

 

Auswirkungen der Digitalisierung

 

 

o   Die Koordination und Logistik von Abläufen rückt in den Mittelpunkt. Es gibt mehr Steuerung und mehr Kommunikation.

 

Viele Arbeitsplätze in der Ausführung gehen verloren, jedoch entstehen neue Jobs, insbesondere in der Verwaltung und Koordination, da der Verwaltungsaufwand sich stetig vergrößert bspw. durch die Vorgaben der EU.

 

o   Büros werden immer „papierloser“, es geht immer mehr um Daten und ihre Auswertung, hierbei besteht die Gefahr einer Datenflut. Welchen Nutzen hat diese Masse an Daten?

 

o   Arbeit verändert sich: Die körperliche Arbeit fällt nicht weg, jedoch verändert sie sich bspw. wird der Lernprozess innerhalb eines Betriebs oftmals virtueller durch Simulatoren, Virtual Reality Learning oder auch durch die Darstellung des Werkes als 3D-Werk digital. Dabei können die Mitarbeiter*innen bereits am Computer ihr Können testen, ohne wertvolle Ressourcen zu verbrauchen.

 

o   Es gibt eine neue „Kommunikationsebene“ zwischen Mensch & Maschine.

 

o   Auch in der Forstwirtschaft wird der Wald immer „virtueller“. Roboter und Oktokopter werden eingesetzt, um einen besseren Überblick über die Gegebenheiten im Wald zu bekommen. Die Daten, die dabei gesammelt werden, sind jederzeit auf dem Computer verfügbar. Die Planung wird dabei immer langfristiger, weil man aus den vorhandenen Daten bereits Rückschlüsse auf die Zukunft schließen kann. Dies sorgt dafür, dass manche Wälder quasi „gezüchtet“ werden, was dem Natürlichkeitsaspekt der Natur widerspricht bzw. einen direkten Eingriff in die Natur bedeutet.

 

 

 

„Gefahren“ bzw. Bedenken bei der Digitalisierung

 

 

o   Da alles kontrolliert und zentral erfasst wird, besteht die Gefahr einer Verhaltenskontrolle und Überwachung der Menschen. Die Menschen werden durch Überwachung und 24/7 Erreichbarkeit zu „Gläsernen Menschen“.

 

o   Stichwort Erreichbarkeit: Jeder Mensch hat jederzeit Zugriff auf alles und ist immer erreichbar. Es besteht die Gefahr, dass die Arbeiter*innen nicht mehr zur Ruhe kommen, wir brauchen eine strikte Arbeit- und Freizeittrennung. Wir müssen was die Arbeitszeit & Erreichbarkeit angeht, dringend allgemeinverträgliche Lösungen finden. à Arbeitszeitgesetz Reform?

 

o   Durch die Internationalisierung wird der Optimierungsdruck und das Konkurrenzdenken verstärkt.

 

o   Es gibt einen größeren Verwaltungsaufwand und die Gefahr einer Datenflut.

 

o   Die Berufe werden spezialisierter und komplizierte, hier stellt sich die Frage, was machen wir mit den Menschen, die vorher in „einfachen“ Jobs, also bspw. Jobs in der Ausführung, tätig waren? Wie gehen wir auch mit älteren Beschäftigen um? Hier muss Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung für das Thema erfolgen, sowie Weiterbildungsmaßnahmen.

 

Die Arbeiter*innen dürfen mit ihren Bedenken gegenüber der Digitalisierung nicht allein gelassen werden. Nur wenn die Politik und die Gewerkschaften die Menschen unterstützen, kann diese Reformierung der Arbeit gelingen. Die Aufgabe der Gewerkschaften und Betriebsräte ist es, den Prozess zu beobachten und zu begleiten. Sie stehen vor der Herausforderung, die Arbeiter*innen am Veränderungsprozess aktiv zu beteiligen.