#MachswieMartin – fang im Kleinen an

Im Radio rappt Casper. Ich beim Training - der Bizeps wächst schließlich nicht von allein. Der neue Song irgendwie nicht so gut. Generell 1Live ist eh schlecht geworden. Naja nächste Mal lieber wieder Spotify. Nach Casper, Prinz Pi. „In den neusten Schlagzeilen wieder ein paar Tote, Trump-Sieg, Finanzkrieg, Klimakatastrophe. In der Bahn zieh´n die Leute eine Fresse. Die Welt geht morgen unter, das steht heute in der Presse“. Auf so negative Reims echt kein Bock, ich will doch nur in Ruhe trainieren. Studium und Arbeit stressen mich genug. Dem Radio scheint das aber herzlich egal zu sein. Der Song läuft weiter. Plötzlich Schluss mit negativen Vibes, der Song dreht sich. „Ich kann den Hass nicht mehr hören, all das Negative. Es gab noch nie so viele Gründe für Nächstenliebe. Ich fang' im Kleinen an, fange bei mei'm Kleinen an - Highfive!!!“  Ich denke: „ein bisschen plump, aber eigentlich hadder ja recht“.

 

Später, nassgeschwitzt, kaputt, Heimweg – immer noch ein Lauch.  Machste nix. Beim Abendessen öffne ich Spiegel Online, die erste Schlagzeile fettgedruckt „Paradise Paper - Super Reiche hinterziehen aus Gier Steuern“. Ich denke gleich zurück an Pi´s Worte über Nächstenliebe und frage mich wie können Menschen so verdammt Asi und egoistisch sein und was will man mit all dem Geld überhaupt? Einen fünften Jet? Oder eine neunte Küche in einem Haus für zwei? Ich wurd echt sauer. PolikerInnen ohne Mut, Superreiche ohne Rücksicht auf alle anderen und gefühlt keine Chancen kurzfristig selbst etwas daran zu ändern.

 

Plötzlich von draußen Tambourcorpsmusik. Laternen, Gesang, St. Martin. Als ich Martin mit seinem roten Mantel auf einem wirklich wunderschönen Pferd sehe, stelle ich mir kurz vor ich bin in Frankreich, es ist Winter, um knapp 300 nach Christus, eine echt miese Zeit. Viele Menschen haben Hunger, leiden an Armut, es ist verdammt kalt und ein Sozialstaat nicht in Sicht. Jeder der was hat, steht sich selbst am nächsten. Doch auf einmal kommt ein Mann auf einem Pferd und teilt seinen Mantel mit einem frierenden Bettler – St. Martin. Eine Geste der Nächstenliebe. Die Welt hat er nicht gerettet, aber einen Menschen in Not. Bis heute wirkt seine „kleine Tat“ nach und inspiriert Menschen Gutes zu tun.  

 

„Trump-Sieg, Finanzkrieg, Klimakatastrophe“ wie Pi rappte oder Superreiche super Egoisten im Spiegel. Die Welt lässt sich vermutlich nicht von heute auf morgen retten. Wie uns die Geschichte von St. Martin lehrt und wie es auch Pi im Radio rappte sind es jedoch auch schon die kleinen Dinge Vorort, egal ob in Frankreich, Rheinberg oder sonst wo, die wirklich etwas bewegen können. Augenscheinlich erscheint es uns manchmal als sinnlos oder zu wenig, letztendlich verbessern wir so jedoch die Welt!!! … vielleicht …  wenigstens ein bisschen. Also fangen wir im Kleinen an – am besten gestern!

 

 

Philipp Richter